Der Agent Hub hat auf der Unbound Zuwachs bekommen: Kampagnen-Agent, Content-Agent, Nurture-Agent und ein Agent für Vertrieb beziehungsweise Prospecting. Vier Rollen, die Aufgaben übernehmen sollen, die bisher Menschen gemacht haben.
Die spannendere Frage ist nicht, was die Agenten können. Sie ist, welche Aufgaben ihr tatsächlich abgeben wollt – und an welcher Stelle jemand aus eurem Team weiterhin draufschauen muss.
Die Funktionsumfänge entwickeln sich noch. Für die Entscheidung, ob ihr einsteigt, ist der aktuelle Stand aber ohnehin zweitrangig – was zählt, ist das Arbeitsmodell dahinter.
Das Bild, mit dem wir intern arbeiten: Ein Agent ist kein Werkzeug, sondern eine Rolle. Bei einem Werkzeug fragt man, was es kann. Bei einer Rolle fragt man drei andere Dinge – und genau die entscheiden über Erfolg oder Frust.
Wofür ist die Rolle zuständig? Je enger der Zuschnitt, desto besser das Ergebnis. „Erstellt Entwürfe für Nurture-E-Mails an Bestandskunden im Segment X" funktioniert. „Kümmert sich um Marketing" funktioniert nicht.
Worauf greift sie zu? Ein Agent sieht die Daten, die ihr ihm gebt. Wenn in eurem Portal Dubletten liegen, Auswahlfelder uneinheitlich gepflegt sind und die Hälfte der Kontakte keinen sauberen Lifecycle-Status hat, arbeitet der Agent auf dieser Grundlage – schnell und konsequent falsch.
Wer gibt frei? Die wichtigste Frage. Ein Agent, der Entwürfe produziert, ist ein Zeitgewinn. Ein Agent, der ohne Freigabe versendet, ist ein Risiko – und zwar eines, das erst sichtbar wird, wenn es beim Kunden im Postfach liegt.
Unsere Faustregel: Alles, was nach außen geht und nicht zurückgeholt werden kann, braucht eine menschliche Freigabe. Konkret heißt das:
Umgekehrt gibt es Bereiche, in denen Agenten ohne großes Risiko laufen können: Recherche, Zusammenfassungen, Entwürfe, Vorschläge, Aufbereitung vorhandener Daten. Das ist unspektakulär – und genau dort liegt der schnelle Gewinn.
Agenten sind ein Datenqualitätsthema, kein KI-Thema. Das klingt nüchterner als die Ankündigung, ist aber der Punkt, an dem Projekte scheitern.
Ein Nurture-Agent, der auf Basis eines Lifecycle-Status arbeitet, den die Hälfte des Teams anders interpretiert, produziert zuverlässig unpassende Ansprache. Ein Prospecting-Agent, der auf Firmen-Datensätzen mit veralteten Branchenangaben aufsetzt, priorisiert falsch. Der Agent ist dabei nicht das Problem – er macht nur schneller sichtbar, was vorher schon nicht stimmte.
Wer über Agenten nachdenkt, sollte deshalb zuerst wissen, wie es um die eigenen Daten steht. Das ist keine Ausrede zum Vertagen, sondern die Reihenfolge, die funktioniert.
Wir würden nicht mit vier Agenten gleichzeitig starten. Besser ist ein Durchlauf, der klein genug ist, um ihn bewerten zu können:
Der Agent Hub geht in die richtige Richtung. Die Vorstellung von Agenten als Kolleginnen und Kollegen mit definierter Rolle ist deutlich tragfähiger als die von KI als Knopf, den man drückt.
Gleichzeitig verschiebt sich damit die Arbeit, statt zu verschwinden. Wer vorher E-Mails geschrieben hat, schreibt danach Rollenbeschreibungen, prüft Entwürfe und pflegt Datenqualität. Das ist ein guter Tausch – aber es ist ein Tausch, kein Wegfall.
Auf der Unbound wurden vier Agenten vorgestellt: ein Kampagnen-Agent für Planung und Aufsetzen von Kampagnen, ein Content-Agent für die Erstellung von Inhalten, ein Nurture-Agent für die Begleitung von Kontakten über längere Strecken und ein Vertriebs- beziehungsweise Prospecting-Agent für Ansprache und Vorqualifizierung.
Technisch ist das denkbar, empfehlenswert ist es nicht. Unsere Faustregel: Alles, was nach außen geht und nicht zurückgeholt werden kann, braucht eine menschliche Freigabe. Der Agent erstellt den Entwurf, eine Person gibt frei und versendet.
Vor allem Datenqualität. Ein Agent arbeitet auf den Daten, die im Portal liegen. Dubletten, uneinheitlich gepflegte Auswahlfelder und unklare Lifecycle-Status führen zu schnellen, aber falschen Ergebnissen. Hinzu kommt ein enger Rollenzuschnitt: Je klarer die Aufgabe beschrieben ist, desto brauchbarer das Ergebnis.
Mit einer einzigen, regelmäßig anfallenden Aufgabe im Entwurfsmodus. Vier bis sechs Wochen laufen lassen und dokumentieren, wie oft der Vorschlag brauchbar war und was korrigiert werden musste. Erst danach entscheiden, ob die Freigabe gelockert oder eine zweite Rolle ergänzt wird.
Sie verschieben die Arbeit, statt sie abzuschaffen. Statt E-Mails zu schreiben, entstehen Rollenbeschreibungen, Prüfung von Entwürfen und Pflege der Datenqualität. Für risikoarme Aufgaben wie Recherche, Zusammenfassungen und Entwürfe liegt der schnellste Gewinn.