Marketing Studio 2.0: Was der Neubau ändert – und wie es sich vom klassischen Kampagnen-Tool unterscheidet
Auf der Unbound hat HubSpot Marketing Studio 2.0 vorgestellt. Die Zahl im Namen ist wichtig: Marketing Studio gibt es seit 2024, und die zweite Version ist kein Update, sondern ein Neubau von Grund auf.
Weil parallel das klassische Kampagnen-Tool weiterexistiert, lohnt sich zuerst die Abgrenzung. Sie erklärt, worin die Veränderung tatsächlich besteht.
Was das klassische Kampagnen-Tool ist
Die Kampagne in HubSpot war bisher im Kern eine Klammer. Ihr legt eine Kampagne an, verknüpft die zugehörigen Assets damit – E-Mails, Formulare, Landing-Pages, Anzeigen, Blogartikel – und bekommt dafür eine gemeinsame Auswertung.
Der Wert liegt in der Zuordnung und im Reporting. Was die Kampagne nicht ist: der Ort, an dem gearbeitet wird. Erstellt werden die Assets weiterhin in ihren jeweiligen Werkzeugen. Die Kampagne sammelt sie hinterher ein.
Das hat zwei Konsequenzen, die jede und jeder kennt, der damit arbeitet. Erstens muss die Verknüpfung diszipliniert gepflegt werden, sonst ist das Reporting lückenhaft. Zweitens fühlt sich die Kampagne wie Verwaltung an und nicht wie Produktion – man legt sie an, weil man soll, nicht weil sie beim Bauen hilft.
Was Marketing Studio 2.0 daran ändert
Aus der nachgelagerten Klammer wird ein Arbeitsort. Planen, Bauen und Auswerten passieren in einem Workspace, ohne zwischen den Werkzeugen zu wechseln.
Der sichtbarste Unterschied ist die Arbeitsfläche. Eine Kampagne liegt als Canvas vor: Asset-Karten, Verbindungslinien zwischen ihnen, Notizzettel, Gruppierungen. Wer schon einmal eine Kampagne auf einem Whiteboard geplant hat, findet sich sofort zurecht – nur dass die Karten hier echte Assets sind und nicht deren Abbild. Daneben gibt es Kalender-, Board- und Listenansichten für dieselbe Kampagne.
Der Einstieg ist wahlweise ein leeres Canvas, eine Vorlage, eine geklonte Kampagne oder eine KI-Generierung aus einem Briefing.
Growth Context: der eigentliche Unterschied
Technisch interessanter als die Oberfläche ist der Unterbau. Marketing Studio 2.0 arbeitet mit dem, was HubSpot „Growth Context" nennt – dem geteilten Verständnis über euer Geschäft, eure Kundschaft und eure Arbeitsweise.
Praktisch heißt das: Eine Kampagne startet nicht bei null, sondern mit eurer Markenidentität, der Performance vergangener Kampagnen und Marktbenchmarks als Ausgangspunkt. Genau hier lag die berechtigte Kritik an Version 1.0 – KI-Inhalte klangen generisch, weil sie aus keinem echten Markenkontext schöpften. Das ist der Punkt, an dem der Neubau ansetzt.
Drei Agenten, die im Studio arbeiten
- Campaign Agent – erstellt aus einem Prompt oder einem hochgeladenen Dokument, etwa einem Transkript, eine ganze Kampagne: Vorschläge zur Ausrichtung, ein Briefing mit Narrativ, KPIs und Asset-Plan, und anschließend die Assets selbst inklusive der Automatisierung dazwischen.
- Content Agent – schreibt Inhalte auf Basis von AEO-Empfehlungen, von Blogartikeln über Landing-Pages bis zu LinkedIn-Posts. Nutzbar innerhalb einer Kampagne oder eigenständig über den Breeze Assistant.
- Nurture Agent – personalisiert automatisierte Marketing-E-Mails im Moment des Versands. Er greift bestehende Workflows nicht an, sondern schreibt Betreff, Vorschautext, Text und CTA pro Empfängerin und Empfänger neu, auf Basis von CRM-Historie, jüngstem Seitenverhalten und eurer Markenstimme. Der Anteil der Sendungen ist steuerbar.
Reporting, das am Arbeitsort bleibt
Der Analyst-View wertet Ziele, zugeordneten Umsatz, ROI und beeinflusste Kontakte direkt im Workspace aus. Kein Export, kein Wechsel in ein separates Reporting-Werkzeug. Das war der dritte große Kritikpunkt an Version 1.0 und ist jetzt eingelöst.
Was das im Alltag bringt
- Weniger Werkzeugwechsel. Die Kampagne entsteht dort, wo sie geplant wird.
- Kein Nachpflegen von Zuordnungen. Assets, die im Canvas entstehen, sind automatisch verknüpft – die Pflegedisziplin als eigene Aufgabe entfällt.
- Sichtbare Lücken. Auf dem Canvas sieht man, welche Bausteine einer Kampagne noch fehlen. Das ist in einer Assetliste schwerer zu erkennen.
- Abstimmung am Objekt. Kommentare hängen über die Collaboration-Sidebar an der Kampagne oder am einzelnen Asset, nicht in einem separaten Thread.
- Schnellerer erster Entwurf. Der Campaign Agent liefert ein Gerüst, an dem man arbeiten kann, statt eines leeren Blatts.
Voraussetzungen
- Marketing Hub Professional oder Enterprise.
- Die generativen KI-Funktionen müssen in den Account-Einstellungen freigegeben sein.
- Zum Anlegen und Verwalten von Kampagnen braucht es Super-Admin- oder Kampagnen-Rechte.
Beta – was das konkret heißt
Marketing Studio 2.0 ist als Beta gekennzeichnet. Das ist ein Hinweis auf die Planung, kein Grund zum Abwarten.
Sinnvoll ist der Einstieg jetzt: Kampagnen aufsetzen, mit dem Campaign Agent arbeiten, ein Gefühl für den Canvas entwickeln. Was wir noch zurückstellen würden, ist alles, was Aufwand bei Änderungen verursacht – ausführliche Prozessdokumentation für das Team und flächendeckende Schulungen. Bezeichnungen und Details bewegen sich in einer Beta noch, und beides mehrfach anzufassen kostet mehr, als es bringt.
Die Unterscheidung ist wichtig: nutzen ja, festschreiben noch nicht.
Wo wir anfangen würden
Erstens: Context Home prüfen. HubSpot befüllt den Growth Context automatisch vor, aber diese Grundlage ist selten vollständig. In vielen Portalen ist sie dünn oder veraltet, weil niemand sie je durchgesehen hat. Da Marketing Studio 2.0 und die Agenten darauf aufsetzen, ist das die Maßnahme mit der größten Hebelwirkung – und sie kostet einen Nachmittag, keine Projektphase.
Zweitens: eine echte Kampagne im Studio aufsetzen. Nicht die umsatzkritischste, aber auch keine Attrappe. Erst an einer realen Kampagne zeigt sich, ob der Ablauf für euer Team trägt.
Drittens: den Nurture Agent klein testen. Der steuerbare Rollout-Anteil ist genau dafür gebaut – erst ein kleiner Teil der Sendungen, Ergebnisse vergleichen, dann ausweiten.
Viertens: Benennungskonventionen klären. Wenn heute Kampagnen uneinheitlich benannt und Assets unzuverlässig zugeordnet werden, repariert das keine neue Oberfläche. Das gehört vorher geregelt.
Unsere Einschätzung
Marketing Studio 2.0 ist der überzeugendste Teil dieses Release. Die Trennung zwischen Kampagne als Reporting-Klammer und den eigentlichen Werkzeugen war immer künstlich und hat Pflegeaufwand erzeugt, der niemandem genutzt hat. Dass Planung, Produktion und Auswertung jetzt an einem Ort liegen, ist die richtige Antwort darauf.
Der Nutzen hängt allerdings an einer Stelle, über die weniger gesprochen wird: am Growth Context. Ein dünn gepflegter Context Home bremst alles, was darauf aufsetzt. Wer das vorher in Ordnung bringt, bekommt ein Werkzeug, das trägt. Wer es überspringt, bekommt schnelle Ergebnisse, die nach der eigenen Marke nicht klingen.
Die offizielle Dokumentation findet ihr in der HubSpot Knowledge Base.
Häufige Fragen zu Marketing Studio 2.0
Was ist der Unterschied zwischen Marketing Studio 2.0 und dem klassischen Kampagnen-Tool?
Das klassische Kampagnen-Tool ist eine nachgelagerte Klammer: Assets werden in ihren jeweiligen Werkzeugen erstellt und anschließend mit der Kampagne verknüpft, vor allem für ein gemeinsames Reporting. Marketing Studio 2.0 ist ein Arbeitsort – Planung, Erstellung und Auswertung finden in einem Workspace statt, Assets entstehen direkt auf einem Kampagnen-Canvas und sind dadurch automatisch zugeordnet.
Was ist neu an Marketing Studio 2.0 gegenüber der ersten Version?
Marketing Studio 2.0 ist ein vollständiger Neubau. Er adressiert die drei häufigsten Kritikpunkte an Version 1.0 aus dem Jahr 2024: schwierige Navigation, ein vom eigentlichen Arbeiten abgekoppeltes Reporting und generisch klingende KI-Inhalte. Neu sind der Growth-Context-Unterbau, ein integrierter Analyst-View für Ziele, zugeordneten Umsatz, ROI und beeinflusste Kontakte sowie drei Agenten, die im Studio selbst arbeiten.
Welche Agenten arbeiten in Marketing Studio 2.0?
Drei: Der Campaign Agent erstellt aus einem Prompt oder Dokument ein Kampagnen-Briefing samt Assets und Automatisierung. Der Content Agent schreibt Inhalte auf Basis von AEO-Empfehlungen, etwa Blogartikel, Landing-Pages und LinkedIn-Posts. Der Nurture Agent personalisiert automatisierte Marketing-E-Mails im Moment des Versands, ohne bestehende Workflows zu verändern.
Welche Voraussetzungen brauche ich für Marketing Studio?
Marketing Hub Professional oder Enterprise, freigeschaltete generative KI-Funktionen in den Account-Einstellungen sowie Super-Admin- oder Kampagnen-Rechte für die Nutzerinnen und Nutzer, die Kampagnen anlegen und verwalten sollen.
Sollte ich Marketing Studio 2.0 in der Beta schon nutzen?
Ja, für die Arbeit selbst. Kampagnen aufsetzen, mit dem Campaign Agent arbeiten und den Nurture Agent mit kleinem Rollout-Anteil testen, ergibt jetzt Sinn. Zurückstellen würden wir ausführliche Prozessdokumentation und flächendeckende Schulungen, da sich Bezeichnungen und Details in einer Beta noch bewegen können.
Was ist Growth Context und warum ist er wichtig?
Growth Context bezeichnet das geteilte Verständnis über Geschäft, Kundschaft und Arbeitsweise, auf dem HubSpots KI-Funktionen aufsetzen. HubSpot befüllt ihn im Context Home automatisch vor, doch diese Grundlage ist häufig unvollständig oder veraltet. Da Marketing Studio 2.0 und die Agenten darauf zugreifen, ist das Prüfen und Korrigieren des Context Home die Maßnahme mit der größten Hebelwirkung vor dem Einstieg.




